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Im Verkauf treten ständig neue, komplexe Situationen auf. Insofern schreit diese Ausgangslage gerade danach, intuitiv zu handeln. Trotzdem profitiert nicht jeder Verkäufer gleichermaßen von der Anwendung professioneller Intuition. Woran liegt das?
Intuition im Vertrieb Wie (Spitzen-)Verkäufer mit Intuition wirksamere Gespräche führen von Dr. Jürgen Wunderlich, Team für Training und Coaching*
Im Verkauf treten ständig neue, komplexe Situationen auf. Insofern schreit diese Ausgangslage gerade danach, intuitiv zu handeln. Trotzdem profitiert nicht jeder Verkäufer gleichermaßen von der Anwendung professioneller Intuition. Vielmehr sind es vor allem die Erfahrenen, die mehr von der Intuition haben. Woran liegt das?
Intuition stellt vor allem – bewusst oder auch unbewusst – gemachte Erfahrungen zur Verfügung. Diese tauchen innerhalb von Millisekunden auf. Es handelt sich dabei um Ahnungen, Gedankenblitze, Gefühle oder sonstige Wahrnehmungen. Je mehr Erfahrungen in dem "Speicher" vorhanden sind, desto feiner und treffender kann Intuition diese abgleichen. Daher nützen einem Anfänger 100 verschiedene Abschlusstechniken, wie sie in der Verkaufsliteratur zu finden sind, recht wenig. Er weiß ja nicht, welche er im gerade laufenden Gespräch einsetzen soll. Seiner Intuition fehlen noch die notwendigen "Referenzen". Will er seine Intuition nutzen, dann tut er gut daran, wenn er sich Fragen stellt, die zu seinem bisherigen Know-how-Spektrum passen. Darüber hinaus ist der Anfänger sehr stark damit beschäftigt, dass er den grundsätzlichen Verkaufsprozess konsequent anwendet und beibehält. Und das ist meiner Meinung nach auch gut so!
Ganz anders sieht es bei einem - natürlich durch eigenes Wirken dazu gewordenen - Spitzenverkäufer aus. Er nutzt den optimalen Verkaufsprozess konsequent. Er wendet bewährte Spitzenstrategien an. Genau innerhalb dieses Vorgehens setzte er seine Intuition ein. Er benutzt sie dabei wie einen Wegweiser. Ähnlich wie ein Tenniscrack, der bereits vor dem Schlag seines Gegenspielers die richtige Ecke erkennt, stellt die Intuition dem Spitzenverkäufer enorme Informationen zur Verfügung. Durch sie erhält er den Hinweis, wie er seinen Verkaufsprozess am besten fein justiert. So „quält“ er seine Kunden nicht unnötig lange, indem er ihnen immer wieder neue Vorzüge seines Angebotes erzählt, sondern kommt, sobald wahrnehmbare Abschlusssignale zu erkennen sind, auf den Punkt. Und genau die erkennt er mittels seiner Intuition rascher und treffsicherer. Genauer und schneller als mit reiner Logik lassen sich z. B. auch folgende Situationen im Verkauf bestimmen:
- Einschätzen von Personen - Erarbeiten von Verkaufschancen - Abschätzen von Motivationsimpulsgebern - Erkennen von potentiellen Zusatzverkäufen - Wahrnehmen von Abschlusschancen - Auswahl von Abschluss-Strategien - Erkennen von Vorwänden und eigentlichen Einwänden - Auswahl von Einwandbehandlungsmethoden - Erkennen von Hemmschuhen - Ausmachen von informellen Entscheidungsstrukturen - Optimierung von After-Sales Aktivitäten - Lösung emotional heikler Situationen
In Trainings werde ich oft gefragt, ob man intuitiv entscheiden soll, ob man einen Kunden überhaupt besuche oder nicht. Bei dieser Fragestellung kann man leicht daneben liegen, denn Verkäufer vergeben so oft die Chance, vor Ort mit Hilfe der Intuition herauszufinden, was man dem Kunden evtl. anbieten oder womit man ihn besser an sich binden könnte. Direkt beim Kunden angekommen, geht es vor allem darum, herauszufinden, wie es um die Bedürfnisse und Wertigkeiten steht. Da selbst gut gefütterte CRM (Customer Relationship Management) Programme hier oft erhebliche Defizite aufweisen, können Verkäufer über intuitive Wahrnehmung weitere Chancen für das eigene Unternehmen ausmachen. Entscheidend ist also, dass Mitarbeiter im Vertrieb lernen, ihre Intuition sinnvoll zu fokussieren, z. B. mit folgenden Fragen:
- Was ist für meinen Kunden in den nächsten Wochen besonders wichtig? - Was kann meinem Kunden helfen, wirtschaftlich noch erfolgreicher zu werden? - Wen sollte ich außerhalb der Routine ansprechen? - Welche Dinge bewegen mein Gegenüber im Moment? - Wie entscheidet mein Kunde über meine Angebote?
Auf diese Art und Weise können Sie in der wichtigen Kontaktaufbauphase und bei der Bedarfsanalyse dafür sorgen, dass Sie über die Intuition stärkere Ansatzpunkte bekommen, die Ihnen dabei helfen, wirksamer bei Ihren Kunden zu werden. Viel Erfolg!
Das Buch zum Thema
Intuition – Die unbewusste Intelligenz I³-Power oder wenn der Bauch beim Denken hilft Jürgen Wunderlich Göttingen: Business Village, 2008 120 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-938358-77-1, € 21,80

Der Autor Dr. Jürgen Wunderlich ist als selbständiger Unternehmer und langjähriger Trainer zusammen mit seiner Frau Kerstin Wunderlich, Versicherungsfachwirtin und Dipl. System Coach, als Team für Training und Coaching tätig. Beide haben mit I³-Power ein Programm entwickelt, mit dem Verkäufer und Führungskräfte durch Intuition, Inspiration und Impulse Ihre Wirksamkeit deutlich steigern können. www.intuition-im-business.de
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