Im
Network Marketing sind Bonussysteme üblich, die weit in die Tiefe
reichen. Hier erstreckt sich der Umsatzbonus auch auf Strukturen, die
nicht mehr direkt, sondern von einem nachfolgenden Networker gesponsert
bzw. gefördert wurden. Das Einkommen potenziert sich mit dem
Anwachsen der Struktur, ohne Mehraufwand an eigener Leistung. Je
erfolgreicher die aufgebauten Strukturen sind, desto höher wird
das Einkommen. Ein seriös arbeitender Networker wird also danach
streben, seine geworbenen Partner zu unterstützen, denn je
erfolgreicher diese werden, um so höher wird auch sein Einkommen.
Je nach Konzept bieten die einzelnen Unternehmen ihren Partnern recht
unterschiedliche Produkte und Konditionen. Wer schnelles Geld ohne
Einsatz verspricht, ist jedoch mit grösster Vorsicht zu geniessen,
denn auch in diesem Bereich gibt es Schwarze Schafe.
Es existieren in Deutschland bereits einige gut florierende Unternehmen
aus dem Network Marketing -Bereich, jedoch steckt diese neue
Vertriebsform bei uns mit einem derzeit geringen Marktanteil von unter
5% noch in den Kinderschuhen, während in den USA und einigen
asiatischen Ländern bereits Marktanteile von 12 - 20% durchaus
üblich sind. Hier liegt die Chance, sich ohne grosse
Startinvestitionen und mit geringen Mitteln, aber selbständiger
und engagierter Arbeit einen Neben- oder gar Hauptverdienst aufzubauen.
Voraussetzung sind Team- und Lernfähigkeit und die Bereitschaft,
eigenverantwortlich am eigenen Erfolg zu arbeiten.
Genauso, wie sich nicht jeder
Verkäufer mit jedem Produkt wohl fühlt, verbinden auch
Networker ihre persönlichen Voraussetzungen, Kriterien, Ziele und
Interessen... mit den Angeboten der Branche und suchen sich das
für sie persönliche Geschäft aus dem Angebot aus. So
sollte es im Idealfall jedenfalls sein.
Das grösste Problem sind die
wirklichen Abzocker, die mit illegalen Methoden arbeiten, sich selbst
ebenfalls Network Marketing nennen, aber nichts als Schneeballsysteme
betreiben, die z. T. gut getarnt sind. So ist eben leider nicht klar
erkennbar, wo legal und wo illegal gearbeitet wird. Leidtragende sind
einmal die seriösen Networker, die pauschal mit kriminalisiert
werden und zum anderen diejenigen, die zwar verstanden haben, dass MLM
ein Weg ist, dann aber auf die falschen Methoden hereinfallen und so z.
T. viel Geld verlieren, was bei einer besseren Aufklärung
vermeidbar wäre.
Wie es verschiedene Arten von Verkäufern oder Handwerkern gibt,
gibt es auch verschiedene Arten der Selbständigkeit. Network
Marketing bietet halt eine einfachere Form und baut auf dem Prinzip des
Franchising auf, das auch niemand als "Scheinselbständigkeit"
bezeichnet, das aber durch meist hohe Lizenzgebühren und
Investitionen für das erforderliche
Equipment (Ladengeschäft, Ausstattung, Fahrzeug/e, Kleidung,
Fixkosten, Personalkosten...) nur für jemand mit dem nötigen
Anfangskapital erschwinglich ist. Prof. Zacharias von der
Fachhochschule Worms, der sich wissenschaftlich mit der Branche
auseinandersetzt, bezeichnet Network Marketing als "Franchising des
Kleinen Mannes". Es werden Elemente aus verschiedenen Bereichen
entliehen, auch aus dem des Handelsvertreters. So ist ein Networker
zwar durch einige Unterschiede kein Handelsvertreter, gehört
rechtlich dennoch in diese Sparte, was sich vor allem in
einschlägigen Urteilen niederschlägt, wenn es denn mal zu
Prozessen innerhalb der Branche kommt.
Es ist auch keine Abzocke (wie manche fälschlicherweise
behaupten), wenn Provisionen über mehrere Ebenen verteilt werden,
denn dadurch entsteht erst die Möglichkeit, sich auch selbst eine
Konstellation erarbeiten zu können, die profitabler ist, als nur
100% aus den eigenen Verkäufen zu verdienen. Es zahlt hier auch
niemand drauf. Man muss sich nur einmal den Aufbau einer MLM-Struktur
ansehen, die nur zu ca. 10% aus Personen besteht, die mehr wollen als
verkaufen oder manche auch nur günstiger einkaufen (EK-Preise
ausnutzen). Verprovisioniert werden Umsätze nach direkt und
indirekt (durch eigenes Team) generierten Umsatz, wer die für eine
zusätzlich zur Handelsspanne mögliche Umsatzprovision
erforderlichen Vorgaben nicht erreicht, hat halt nur seine
Handelsspanne, die mit meist zwischen 25% und 45% nicht gerade schlecht
dotiert ist. Auch damit kann man einiges verdienen, aber auch diese
Umsätze werden verprovisioniert, jedoch geschieht dies in die
darüber liegende Struktur für ihre Aufbau- und
Betreuungsleistung. Durch den weggefallenen Grosshandel wird ja die
Spanne desselben frei und kann in die Struktur verteilt werden, ohne
die Spanne der Einzelhändler zu beeinträchtigen, die dadurch
nicht schlechter gestellt sind, als im klassischen Direktvertrieb.
Die freigewordene Grosshandelsspanne fliesst also in Aufbau und
Betreuung der Struktur, die hier nicht durch das Unternehmen selbst
durchgeführt werden, sondern durch die selbständigen
Führungskräfte, welche sich hierfür qualifiziert haben.
Sinn des Network Marketing ist also vor allem Einsparung immenser
Kosten für Werbung und Produkteinführung, welches komplett
und erfolgsorientiert vom Vertrieb selbst durch Empfehlungsmarketing
übernommen wird. Hierfür ist eine Aufgabenteilung
erforderlich, der durch Spezialisierung der einzelnen Networker auf
eben diese Aufgaben Rechnung getragen wird. Nicht jeder Networker
verkauft, nicht jeder Networker wirbt und betreut Partner, nicht jeder
Networker baut gleich grosse Strukturen auf und betreut diese.
Natürlich verdient auch nicht jeder gleich viel für
völlig unterschiedliche Arbeiten. Jeder beginnt am gleichen Punkt,
sollte möglichst viel über das Geschäft, die
Möglichkeiten und die Produkte lernen und kann sich dann allein
durch persönliches Engagement die Position erarbeiten, für
die er sich durch seine Arbeit qualifiziert. Mit Studium, Diplom oder
Meisterbrief kommt man nicht weit, denn diese garantieren keinen
Erfolg. Es hat also jeder die gleiche Chance, unabhängig von Vor-
und Ausbildung.
Warum nun aber "Selbständigkeit light"? - Ganz klar - Man kann
erst einmal hineinschnuppern, ob einem diese Art der Arbeit
überhaupt liegt. Man muss nicht erst für Equipment und
sonstiges in Vorleistung gehen, um dann vielleicht festzustellen, dass
man vielleicht zehntausende Euro in den Sand gesetzt hat. Der
nebenberuflich mögliche Einstieg ist der wichtigste Punkt, auch
dass man auf Dauer nebenberuflich arbeiten kann, indem man einfach
weniger tut als diejenigen, die höhere Ambitionen haben, dann
natürlich auch weniger verdient, was ja nicht das Ungerechteste
ist. Nicht wenige haben aber nach Wochen, Monaten oder gar Jahren
nebenberuflicher Arbeit höhere Ambitionen entdeckt und hatten dann
durch natürlich gewachsene Kenntnisse Neueinsteigern
gegenüber einiges an Vorteilen. Manche beginnen auch als Kunden
und versorgen einfach wie eine Art Sammelbesteller einfach ihre eigene
Familie mit durch EK-Preise im Schnitt ca. 30% vergünstigten
Produkten, wobei ja noch nicht einmal eine gewerbliche Tätigkeit
vorliegt, wofür man zwar eine Berechtigung erlangt hat (durch
Vereinbarung), die man aber nicht zwingend auch ausüben muss.
Gewerblich beginnt es dort zu werden, wo man beginnt, einen Kundenkreis
aufzubauen oder weitere Partner wirbt, also eine auf Dauer und Gewinn
ausgerichtete Tätigkeit tatsächlich ausübt, wofür
dann zwar bereits eine Gewerbeanmeldung erforderlich wird, mangels den
Freibetrag übersteigendem Reingewinn jedoch keine Steuern zu
zahlen sind. Hier genügt die Führung eines Kassenbuchs und
das Sammeln von Belegen sowie die jährliche Abgabe einer
Einkommensteuererklärung. So verdienen sich viele tausende
Menschen monatlich ein Zubrot, finanzieren vielleicht damit einen
Zweitwagen, den es bei manchen Geschäften sogar ab einem gewissen
Monatsumsatz noch dazu gibt, die jährliche Urlaubsreise,
Ferienwohnung, gleichen gestiegene Lebenshaltungskosten (erhöhte
Miete) etc. aus, indem sie einfach zusätzlich zum ausgeübten
Beruf, über den sie ja sozial abgesichert sind, noch eine einfache
und leicht zu erlernende Nebentätigkeit auf selbständiger
Basis ausüben. Nur etwa 10% haben höhere Ambitionen, etwa 5%
verfolgen ihr Ziel so klar, dass sie auch Führungspositionen
erreichen und die gestellten Aufgaben auch erfüllen. Um Faulenzer
unter den Werbern nicht über Gebühr zu belohnen, gibt es
Qualifikationen für höhere Verdienstmöglichkeiten.
Einfach nur Leute fangen und auf deren Kosten reich werden funktioniert
also nicht, darf auch nicht funktionieren. 80-90% der Umsätze
generieren die "kleinen" (und grösseren) Verkäufer, die
allein mit der Handelsspanne gute Verdienstmöglichkeiten haben und
je nach Umsatzhöhe auch noch Anspruch auf Provision haben, ganz
ihren Leistungen entsprechend und minimalen eigenen Betriebskosten.
© 06.2004 by Norbert Warnke -
Verwendung (auch auszugsweise) nur mit Genehmigung des Verfassers!
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